Gemeinschaftsausstellung im PALAIS KABELWERK, 12, Oswaldgasse 35
Marita Bank/Malerei, Isabel Czerwenka-Wenkstetten/Malerei, Harald Eckert/Malerei, Fotogruppe der Naturfreunde Meidling, Andrea Groier/Malerei, Gabriele Hangler/Fotografie, Helga Katz/Malerei, Elisabeth Karger/Collagen, Karin E. Leiter/Malerei, Abd A. Masoud/Malerei, Heidi Nagl/Malerei, Elisabeth Olivier/Malerei, Rudolf Reiterer/Malerei, Nicole Schober/Malerei, Mitra Shahmoudradi-Strohmeier/Malerei, Christine Stigma/malerei, Anne Suttner/Malerei, Verein AUSINA/Archäologie, Erika Voit/Malerei, Helga Vranjes/Malerei, Fanny Wagner/Keramik
da sitzen also frösche. und da hängen bilder. ok, aber kann mir bitte jemand erklären, was das soll? sind wir da im kindergarten, oder will uns die künstlerin eine lange amphibische nase zeigen? was hat denn die kunst mit der biologie zu schaffen? oder wird da wieder einmal gekünstelt ein nicht vorhandener kontext um symbole und projektionen konstruiert? ob etwa der frosch im menschen einen trügerischen spiegel sucht und sich als prinz erkennt, oder ob der mensch den frosch zu gewissen tiefenpsychologischen projektionen nutzt – wen kümmerts?
ist nicht die fröhlich naive kröten- und froschwanderung über die mordende autobahn, hinein in den trüben paarungstümpel ein zutiefst menschlicher akt, die samstagabendliche anmache in der disco mit den liebesquakenden, aufgeblasenen posingtypen und den balztänzen nicht klassisch fröschisch?
was wäre ein urlaub am weiher ohne den fröhlichen, allabendlichen froschgesang, ohne das erheiternde herum- und hinaufgehüpfe, ohne die knarrigen aufforderungen zum huckepacksex im grünen schilf? ohne die gallertigen kinderblasen, die zwar die neugierde unserer eigenen brut wecken, das baden aber wegen dunkler ahnungen verleiden. was wäre die kärntnerstrasse ohne die bunten, massenhaft aus aller frauen länder eingeflogenen zweistunden-frösche, die lärmend und klickend das rettende wasser des grabens suchen?
wie alle amphibien vermittelt der frosch den sprung des lebens aus dem wasser auf’s land. er ist ein symbol des übergangs und der veränderung, das gleichzeitig mut und unsicherheit vermittelt. er ist nicht fisch und nicht fleisch, er trinkt und raucht nicht, und gerade wegen seiner geringen menschlichen anmutung eignet er sich so gut als scheinbar unverfängliche projektionsfläche. zeig mir den könig, der sich im wappen einen frosch statt eines adlers oder löwen hält. doch in den seelen der despoten hüpfen sie wild herum, diese sensiblen, dünnhäutigen wassertierchen!
der frosch als hofnarr, geschmückt und gleichzeitig entstellt von pseudorationalität und größenwahn, von unerfüllten sehnsüchten und verdrängter schuld. der frosch als hofnarr, den man sich hält wegen des schlechten gewissens, dem man sich anvertrauen kann mit seinen ängsten, seiner überheblichkeit und seinen dunkelsten seiten. und schließlich der froschkönig als spieglein spieglein an der wand, der schönes hässlich und hässliche schön macht. wer hat denn den noch nicht gelesen?
der frosch, der mensch, der aus den tiefen des dunklen brunnens zu uns heraufsteigt, beunruhigt uns, erfreut uns aber auch mit seinem skurrilen exterieur, seinem sympatischen charakter. denk nur an seine ruhigen, seltsam wachen basedowschen augen. wie er gemütlich atmet und singt mit seiner hauchdünnen schallblase, dass es eine freude ist und man denkt, gleich zerplatzt er und das konzert ist vorbei. oder betrachte seine langen, kugelig verdickten finger und zehen: ganz schön aufgetackelt, der kleine grüne zuhälter!
auch wenn der akkurate vermessungsbeamte die messlatte auf einen metallenen frosch pflanzt, und die streicher der philharmoniker ohne ihn verloren wären. selbst wenn johann strauss der fledermaus keinen zur seite gestellt hätte und der kluge hausmann dieses fleißige amphibium nicht zur tellerreinigung benutzen würde, es bliebe die frage:
macht sich der mensch mit seinem präpotenten, aufgeblasenen gehabe nicht selbst zum narren, der sich von den fröschen scheinbar bejubelt sieht, am ende aber mit weit aufgerissenen augen seinen eigenen täuschungen erliegt? ist der frosch nicht jenes feuchte und hässlich-komische, gleichzeitig aber verletzliche und sensible tier, das ebendiese menschlichen eigenschaften so trefflich reflektiert?
aus der feder geflossen dem bruder michael am 9.juni anno 2009 angesichts der schwindenden artenvielfalt in politik und kultur unter tränen- und blasendruck. möge der frosch das heraufdämmernde grauen überwinden.
Malerei, Grafiken, Druckgrafiken, Kunstfotos und Skulpturen von KünstlerInnen aus Wien wurden erstmals bei dieser Verkaufsmesse der Ringgalerie im Wiener Rathaus präsentiert.
KünstlerInnen erhalten die Möglichkeit, eigene ausgesuchte Arbeiten dem Publikum vorzustellen und Fragen zu den einzelenen Werken zu beantworten. Es besteht auch die Möglichkeit, Bilder zu erwerben.
Zur Premiere bei dieser Veranstaltungsreihe ist die Wiener Künstlerin Andrea Groier eingeladen.
Musik und Texte von Chris 4er Peterka und Freunden.
Isabel Czerwenka-Wenkstetten-Malerei, Evelyn Doll-Malerei, Harry Eckert-Malerei, Martina "TINEDA" Eder-Projekte&Raumkunst, Andrea Groier-Malerei/Grafik, Simonetta Hary-Malerei, Elisabeth Karger-Collagen, Helga Katz-Aquarelle, Silvla "SIKO" Konrad-Konzept&Raumkunst, Brigitte Löw-Malerei, Elisabeth Olivier-Malerei und Keramik, Chris "4er" Peterka- Gitarre, Rudolf Reiterer-Malerei, Ilse Schleining-Acrylmalerei, Nicole Schober-Malerei, Katharina eidler-Malerei, Christine Stigma-Malerei, Anne Suttner- Malerei, Helga Vranjes-Malerei, Franziska Wagner-Keramik sowie FotokünstlerInnen der Naturfreunde Fotogruppe Meidling
von Andrea Groier
an der Bundesanstalt für Bergbauernfragen, Marxergasse 2/Mez., 1030 Wien
Programm
Begrüßung: Josef Krammer
Einführung: Michael Groier, Josef Hoppichler
Musik: Chris "4er" Peterka
das motto der ausstellung verdeutlicht die ambivalenz der künstlerin sowie des menschlichen lebens allgemein und damit auch jenes der kunst.
…ansonsten der netteste mensch… spielt auch auf das therapeutische element aller künstlerischen prozesse und die fähigkeit der kunst, das böse und unbewältigte in uns zu thematisieren, abstrahieren und damit aufzulösen, an.
die exponate sind also einerseits in farbe und struktur geronnene abbilder auch der „dunklen“ und sonst verborgenen seiten der künstlerin bzw. des therapieprozesses malen.
andererseits visualisieren die bilder auch das ergebnis dieses bewältigungs- und reflexionsprozesses, also das kurz- oder langfristig geheilte „innere“.
grundthema der arbeiten der künstlerin ist die liebe zu den menschen und zum leben allgemein in ihrem umfassenden sinn, beziehungsweise die auseinandersetzung mit der liebe auf ihren unterschiedlichen ebenen.
dementsprechend nehmen auch die titel der bilder diese themen auf und spiegeln sie anhand unterschiedlicher alltagserfahrungen.
andererseits reflektiert das motto das kritische selbstbewusstsein der künstlerin, das sie sich in oft mühevollen lernschritten erarbeitet hat.
viele der bilder strahlen diese lebensfreude vor allem auch in form der kraftvollen farbgebung aus.
kleine teufelchen, kobolde oder andere kreaturen, die aus dem abgrund oder der tiefe der bilder auftauchen, symbolisieren auch irritationen, angst und unsicherheit und relativieren das oft vordergründig positive und einnehmende der bilder.
hopp und sebi entwerfen ein fremdbild der künstlerin. die vorgetragenen thesen des unsichtbaren (der schwarze) werden vom stummen (der weiße) szenische umgesetzt. spannungsfeld zwischen verbal und nonverbal, zwischen rational und emotional, eben die dialektik des lebens und damit auch der kunst.
„vernissage in progress“
die vorbereitung der ausstellung ist ein teil der ausstellung, kunst und malerei als prozess, bedeutung und relativierung des malaktes und des „produkts“, die künstlerin und die anwesenden gäste garantieren die immerwährende weiterführung des kunstschaffens
„begehbare kunst“
kunst als fußabstreifer, herunterholen der elitären kunst in die niederungen des alltäglichen kunstgebrauches. kunst als ein essentieller bestandteil des lebens.
schattenbilder: verbindung zwischen bildern und boden, zwischen „echt und unecht“, zwischen besonders und banal, zwischen der gemalten wirklichkeit und der fiktion.
„spiegelbild“
die betrachterInnen werden mit ihren diesbezüglichen gedanken selbst zum gemälde, zum sekundenbild. sie sind wie die künstlerin selbst teil all ihrer kulturellen und künstlerischen äußerungen. das spiegelbild symbolisiert die endlichkeit und relativität künstlerischer prozesse und werke. letzendlich ist jede betrachterIn auch künstlerIn
„invasion der frösche“
frösche als „hofnarren des kunstbetriebes“ drängen in massen von der straße in den „kunsttempel“, sind gäste und kritiker zugleich, lachen die künstlerische überheblichkeit und abgehobenheit von ihrem elitären podest, symbolisieren aber auch den heiteren, humoristischen aspekt der kunst. sie sind die katalisatoren der ausstellung, führen in und durch die austellung